Vom Studienrat zum Skateboard-Papst

Titus Dittmann, Münster

Titus Dittmann: Lieber glücklich als geregelt
Lieber glücklich als geregelt
HelloTitus Dittmann

Den Beamtenstatus für eine unsichere Zukunft an den Nagel hängen, Zufriedenheit über Sicherheit stellen – keine Entscheidung, die man leichtfertig trifft. Titus Dittmann ist glücklich, dass er es gewagt hat. Denn nur so konnte er zum Vater der deutschen Skateboard-Szene werden.

Allen Zweiflern zum Trotz

Zu Beginn seiner Karriere hätte sich Titus Dittmann sicherlich niemals träumen lassen, was er eines Tages erreichen würde: nämlich eines der erfolgreichsten Einzelhandelsunternehmen in Europa zu gründen. Seinerzeit noch unter seinem Geburtsnamen Eberhard Dittmann bekannt, beschäftigte sich der Student für Sport und Geografie auf Lehramt eher mit Pädagogik als mit Unternehmenskultur. Erst als Referendar auf dem Schulhof entdeckte er das Skateboard – und damit die Leidenschaft seines Lebens. Es war auch der Reiz des Verbotenen, der ihn lockte: Skaten war schließlich verpönt, sollte 1977 sogar gesetzlich untersagt werden. Dass in den „Rollbrettern“ aber ein pädagogisches Instrument steckte, ahnte damals, außer Dittmann, kaum jemand.

Auch deshalb war der künftige Skateboard-Papst nicht mehr von seiner Mission abzubringen. Er wollte eine bewegungsorientierte Jugendkultur rund ums Board etablieren: „Wenn etwas verboten werden soll, interessiert mich das natürlich.“ Gegen Widerstände aus dem Kollegium, trotz eines Disziplinarverfahrens und gegen jedes Kopfschütteln wurde Titus zum Anstifter für Kreativität, für Persönlichkeitsentwicklung und für mehr Spaß am Leben.

Mut ist, wenn man es trotzdem macht.

Titus Dittmann

Passion to profession

Logisch, dass die engen Grenzen des deutschen Bildungssystems für Titus’ Visionen irgendwann zu eng wurden: „Der Freiraum, bei dem ein Kind selbstbestimmt machen kann, was es will, fehlt“, sagt der Skateboard-Veteran. So traf Titus eine der schwersten Entscheidungen in seinem Leben: Er tauschte Tafel und Kreide komplett gegen Griptape und Skatewachs. Aus einer Skateboard-Schülerzeitung, zu deren Gründern er gehörte, wurde das größte Skate-Magazin Europas und aus einem kleinen Contest für seine Schüler die Skateboard-Weltmeisterschaft.

Gerade frischgebackener Vater, gründete er 1978 die „Titus GmbH“ – einen der ersten Skateshops Europas mit Boards, Zubehör und Streetwear. Es war für ihn nur konsequent: „Ich habe immer schon sehr unternehmerisch und effizient gedacht.“ Die Grundlagen waren schon in seiner Examensarbeit gelegt worden: Sie handelte – wer hätte es gedacht – von Skateboarding und war weltweit die erste wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema.

360 Flip: Zurück als Pädagoge

Heute – mit 68 Jahren – gibt Titus immer noch Vollgas. Nicht mehr als Rebell, sondern vielmehr als Brückenbauer. Noch immer auf der Suche nach dem Glück, hilft er auch anderen: „Mach dein Ding und lass dir nicht reinreden. Aber trag auch die Verantwortung, wenn es schiefgeht“, sagt er voller Überzeugung. Mit seiner Stiftung und dem Verein „skate-aid“ unterstützt er humanitäre Jugendprojekte.

Titus weiß genau: „Das Leben ist nun mal nicht berechenbar.“ Man kann es nicht planen. Aber es hilft, ein klares Ziel vor Augen zu haben und dafür zu brennen. Es ist seine Leidenschaft, die ihn offen für Neues und begeisterungsfähig hält. „Ich bin ein hyperaktiver Typ, der etwas bewirken will.“ Dieses Feuer ist ansteckend, und so ist es auch kein Wunder, dass Titus wieder als Pädagoge tätig ist: an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Übrigens als einziger Lehrbeauftragter für Skateboarding an einer Universität in Europa. Ein bisschen Vorreiter muss man ja bleiben.

Ähnliche Artikel

Immer gegen den Strom?

Skatekultur hat sich entwickelt: vom Rebellentum zur Adaption durch Modefirmen.

Klick
Verteidigt mit dem Leben

In Afghanistan erlebte Titus etwas, das sein Bewusstsein maßgeblich prägen würde.

Klick
Global Player

Auf der ganzen Welt findet Skaten immer neue Fans. Hier sind Titus’ Lieblingsskateparks.

Klick
Hefeweizen Naturtrüb
Das klassische Prickeln

Eines, das überall Freunde findet: Schöfferhofer Hefeweizen Naturtrüb. Fruchtig-würzig, herb und frisch.

Klick

Weitere Begegnungen

Bezwinger des Zombie-Boys
Hello
Frank Dursthoff
Düsseldorf
Raus aus der Komfortzone!
Hello
Jun Kim
Köln
gacela