Im Reich der Realitäten

Jun Kim, Köln

Jun Kim, zwischen Fotografie und Malerei
Wandler zwischen den Realitäten
HelloJun Kim

Körper in artistischen Verrenkungen, abstrakte Räume und nicht greifbare Situationen, Zimmerpflanzen in gemalten Szenerien, Frauen inmitten von Riesenschmetterlingen oder surrealen Frisörgeschäften – die Welten und Realitäten verschmelzen in den Bildern von Jun Kim zu eindrucksvollen Kunstwerken.

So was ist möglich?

Jun Kim ist von Haus aus einiges an künstlerischer Energie gewöhnt. Seine Mutter ist Malerin, sein Vater Butoh-Tänzer. Beide brachten ihre Gefühle tagtäglich auf kunstvolle Weise zum Ausdruck. Sie dienten Jun Kim zur unbewussten Inspiration und förderten in ihm den Drang, auch seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dennoch staunte Jun Kim nicht schlecht, als er mit 15 Jahren die Bilder des niederländischen Fotokünstlers Erwin Olaf entdeckte (entdecke sie selbst auf www.erwinolaf.com). Phantastische Motive voller Abgründe und Unerklärlichkeiten, makellos inszeniert und perfekt stilisiert. Und er entschied, die Bilder in seinem Kopf mit den Mitteln der Fotografie zu inszenieren.

Es gibt für mich nicht nur eine einzige Realität. Unsere Realität ist für mich nicht DIE Realität.

Jun Kim

Mit seiner ersten Kamera begleitete er seinen Onkel bei seiner Arbeit als Fotograf. Von ihm lernte er alle Basics, vertiefte sie im Studium und ergatterte direkt im Anschluss ein Praktikum bei seinem Vorbild Erwin Olaf. Schnell fand er seinen ganz persönlichen Stil: die Erschaffung eigener Realitäten, die sich aus den unterschiedlichsten Welten zusammensetzen – aus Mythen, Historien, Mangas, Comics und Anime. "Ich fühle mich zum Surrealismus sehr hingezogen, weil es mich begeistert, wie man Dinge aus ihrem Kontext nimmt und Dinge schafft, die so nicht existieren", beschreibt Jun Kim seine kreative Leidenschaft.

Zwischen Fotografie und Malerei

Die künstlerische Nähe zu den Eltern ist in der Arbeit von Jun Kim jederzeit spürbar: Die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie verschwimmen in seinen Bildern und der formlose, fabelhafte Stil steht ganz in der Tradition des Butoh-Tanzes, der als "Tanz der Finsternis" eine Art Parallelwelt entwirft. Mittlerweile arbeitet Jun Kim sogar sehr viel mit seiner Mutter zusammen, die ihre Ideen bei Konzeption und Finalisierung oder als Visagistin mit einfließen lässt.

Die Hauptenergie geht natürlich von Jun Kim selbst aus. Schon bei Erwin Olaf faszinierte ihn die Perfektion des Setbaus und so setzt er auch seine eigenen Inszenierungen bis in alle Feinheiten selber um. "Mir ist wichtig, dass ich es selber baue, dass ich es selber anmale", sagt er, denn nur so kann er die Welt, die in seinem Kopf herumschwirrt, verwirklichen.

Und es braucht noch etwas, um ihn in Höchstform zu bringen: Angst. "Vor Shootings habe ich meistens eine Höllenangst, weil ich nicht weiß, was passiert", sagt Jun Kim in seiner ruhigen, in sich gekehrten Art. "Also habe ich mittlerweile die Regel, dass ich so lange an dem Konzept arbeite, bis ich so eine Angst bekomme, dass sie mich förmlich überschwemmt. Erst dann fange ich an zu fotografieren."

Möge die Angst immer mit ihm sein!

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